Mit nPro können Geothermie-Sondenfelder ausgelegt und berechnet werden. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Berechnungsansätze für die Simulation in nPro verwendet werden. Die ausführliche Validierung der Berechnung mit EED, GEO-HANDlight, einer wissenschaftlichen Vergleichsstudie und der VDI 4640 ist auf der Seite Validierung der Geothermie-Sondenberechnung dokumentiert.
Validierung der Berechnung
Die Geothermie-Berechnung in nPro ist umfassend validiert. Die Ergebnisse wurden mit der Standardsoftware EED (Energy Earth Designer), mit GEO-HANDlight von Prof. Koenigsdorff, mit einer wissenschaftlichen Vergleichsstudie von 12 Softwaretools sowie mit den Kennwerten der VDI 4640 Blatt 2 verglichen. Alle Validierungsszenarien, Eingabewerte und Ergebnisse finden Sie auf der separaten Seite:
Systemaufbau: Geothermiesonden mit Wärmepumpen
Zur thermischen Nutzung des Untergrunds können verschiedene Technologien wie Wärmepumpen oder Wärmeübertrager eingesetzt werden. Diese versorgen entweder Einzelgebäude oder ganze Quartiere über ein Wärmenetz mit Heizenergie. In Abbildung 1 ist die Verbindung zwischen der Wärmepumpe bzw. Wärmeübertrager und der Erdwärmesonde, die die Wärme aus dem Erdreich entzieht, dargestellt. Die Abmessungen der Wärmesonde spielen für die Berechnung des Wärmeertrags eine maßgebende Rolle. Die Sondenlänge (H) definiert die Tiefe, bis zu der die Sonde in den Erdboden reicht. Der Sondenabstand (B) gibt den horizontalen Abstand zwischen zwei Sonden an und beeinflusst die Effizienz der Wärmeaufnahme. Der Bohrlochradius (r) ist von Bedeutung, da er die Kontaktfläche zwischen Erdreich und Sonde beeinflusst. Diese Sondenparameter sind zentral für die Auslegung einer effektiven und leistungsfähigen Geothermiesondenanlage, da sie die Aufnahme und Übertragung geothermischer Energie maßgeblich beeinflussen.

Grundlagen zur Berechnung der Sonden
Die in nPro verwendete Berechnungsgrundlage für Geothermiesonden basiert auf der Arbeit von Prof. Koenigsdorff der Hochschule Biberach zur vereinfachten Auslegung von Erdwärmesondenfeldern. Er verwendet Modelle, die auf den Arbeiten der schwedischen Wissenschaftler Eskilson und Hellström aufbauen und verschiedene Lastzustände berücksichtigen: Grundlast, periodische Last und Spitzenlast. Die Grundlast repräsentiert den durchschnittlichen, kontinuierlichen Wärmebedarf über das Jahr, während die periodische Last die monatlichen Schwankungen im Wärmebedarf aufgrund saisonaler Temperaturunterschiede abbildet. Die Spitzenlast wiederum beschreibt den maximalen Wärmebedarf in extrem kalten Perioden (kälteste Stunden im Jahr). Wesentlich bei der Berechnung ist dabei die Bestimmung der Fluidtemperaturen in den Sonden und deren Einfluss auf das Erdreich. Diese Berechnungen sind entscheidend, um eine Überlastung der Sonden oder unerwünschte Temperaturveränderungen im Boden zu vermeiden. Prof. Koenigsdorff hat die Software GEO-HANDlight entwickelt und die Ergebnisse seiner Berechnungsmethodik mit der bekannten Software Energy Earth Designer (EED) sowie der Richtlinie VDI 4640 validiert. Für die Bestimmung des thermischen Widerstands der Grundlast wird die von Eskilson eingeführte g-Funktion genutzt. Diese ist eine thermische Sprungantwort auf die Wärmeübertragung und berücksichtigt die Wechselwirkung zwischen den einzelnen Sonden. Abweichend von Koenigsdorff’s Berechnung verwendet nPro für die Berechnung der g-Funktion einen open-source Rechenkern, der im Rahmen der Doktorarbeit von Massimo Cimmino (heute Prof. an der École polytechnique de Montréal in Kanada) entwickelt wurde. Detaillierte Informationen zu den Berechnungsgrundlagen sind in dem Buch “Oberflächennahe Geothermie für Gebäude” von Prof. Koenigsdorff sowie der Benutzeranleitung zum Programm GEO-HANDlight (Version 5.0) zu finden. Der Softwarecode des open-source Rechenkerns von Prof. Cimmino ist in dem öffentlichen Code-Repository pygfunction auf Github einsehbar.
Wie werden Geothermie-Sonden mit nPro ausgelegt?
Das Geothermiemodul in nPro bietet vier wesentliche Berechnungsfunktionen:
- Berechnung der Sondenanzahl abhängig von der Sondenlänge, der Temperatur am Wärmepumpenaustritt und des Sondenabstands.
- Berechnung der Sondenlänge abhängig von der Sondenanordnung, des Sondenabstands und der Temperatur am Wärmepumpenaustritt.
- Berechnung der Temperatur am Wärmepumpenaustritt abhängig von der Sondenlänge, des Sondenabstands und der Sondenanordnung.
- Berechnung der Temperaturprofile am Wärmepumpenaustritt abhängig von der Sondenlänge, des Sondenabstands und der Sondenanordnung.
Für die Berechnung werden in nPro die in der Betriebssimulation berechneten Entzugsprofile, das über den Standort ausgewählte Lufttemperaturprofil sowie eine angenommene Dauer der Spitzenlast von 4 Stunden verwendet. Zur Berechnung wird außerdem eine rechteckige Anordnung der Sonden angenommen.
Methodik zur Bestimmung der Sondenlänge
Zur Bestimmung der Sondenlänge wird angenommen, dass alle Sonden des Geothermiefeldes gleich lang sind und hydraulisch parallel geschaltet werden. Die Berechnung nutzt einen iterativen Ansatz, da die Werte des Bohrlochwiderstands der Grundlast und die Temperaturreaktion in der Formel zur Berechnung der Sondenlänge wiederum von der Sondenlänge abhängen. Die Iteration wird solange fortgesetzt bis die Differenz zwischen der neu berechneten und der zuvor berechneten Länge kleiner als 1 Meter ist. Die Ergebnisse dieser Berechnungsmethodik wurden durch eine Validierung anhand der Daten gemäß VDI-Richtlinie 4640 Blatt 2 in einer Arbeit von Prof. Koenigsdorff überprüft. nPro nutzt den gleichen Berechnungsansatz.
- Berechnungsgrundlage:
Als Erweiterung zum Berechnungsverfahren von Koenigsdorff bietet nPro zusätzlich die Möglichkeit, die Sonden unter dominanter Kühllast auszulegen. Wenn der Kühlbedarf aufgrund hoher periodischer Lasten und Spitzenlasten (bzw. einer niedrigen maximalen Sondenaustrittstemperatur) im Vergleich zum Wärmebedarf auslegungsentscheidend ist, wird die notwendige Sondenlänge mithilfe der Kühllast ausgelegt. Dadurch können übermäßig hohe Temperaturen am Sondenaustritt vermieden werden.
Berechnung der Wärmepumpenaustrittstemperatur
Die Wärmepumpenaustrittstemperatur entspricht der Temperatur des Wärmeträgerfluides am Sondeneintritt. In Verbindung mit der Temperaturdifferenz gibt sie den Zustand des Fluids vor und nach dem Durchgang durch die Sonde an. Je höher die Temperatur am Sondenaustritt, desto höher die Effizienz einer angeschlossenen Wärmepumpe. Entscheidend für die Auslegung ist die minimale Wärmepumpenaustrittstemperatur, welche sich im stationären Zustand einstellt und erst nach mehreren Jahrzehnten erreicht wird. Diese sich einstellende stationäre Temperatur kann mithilfe des verwendeten Berechnungsansatzes ermittelt werden.
- Berechnungsgrundlage:
Validierte Wertebereiche und Ermittlung von Eingabewerten
In diesem Abschnitt wird erläutert, welche Richtwerte man für die Eingabeparameter zur Sondenfeldberechnung nutzen kann und wo geeignete Werte bezogen werden können.
| Parameter | Validierter Bereich | Datenquelle |
|---|---|---|
| Sondenlänge | 50 - 200 m | wird berechnet |
| Sondenabstand | ≥ 6 m | --- |
| Bohrlochwiderstand | Typischer Wertebereich: 0,05 - 0,15 (mK)/W | Thermal Response Test oder aus Analysen, z.B. von geoenergie-konzept.de |
| Bohrlochradius | 0,025 - 0,1 m | z.B. Übersicht von geoenergie-konzept.de |
| Wärmeleitfähigkeit | 1 - 6 W/(mK) | Thermal Response Test oder VDI-Richtlinie 4640 Blatt 1 |
| Geothermische Wärmestromdichte | 25 - 135 mW/m² | Geographische Karten, z.B. Karte auf der Seite des Bundesverbands Geothermie |
Ermittlung des Bohrlochwiderstandes und der Wärmeleitfähigkeit
Verfüllmaterialien für Erdsonden lassen sich in konventionelle und thermisch verbesserte Materialien einteilen. Im Durchschnitt weisen konventionelle Materialien einen erhöhten mittleren Widerstand von etwa 0,1 (mK)/W im Vergleich zu den thermisch verbesserten Materialien mit etwa 0,08 (mK)/W auf. Zudem zeigt sich ein Anstieg des thermischen Widerstands mit zunehmendem Bohrlochradius (siehe Übersicht von geoenergie-konzept.de).
| Untere Grenze | Obere Grenze | |
|---|---|---|
| Konventionelle Verfüllung | 0,075 (mK)/W | 0,141 (mK)/W |
| Gesteinstyp | Wärmeleitfähigkeit in W/(mK) | Volumenbezogene spezifische Wärmekapazität in MJ/(m³K) |
|---|---|---|
| Ton/Schluff, wassergesättigt | 1,8 | 2,0 - 2,8 |
Weiterführend: Validierung
Wie genau die hier beschriebene Berechnungsmethodik ist, zeigen die Vergleiche mit EED, GEO-HANDlight, einer wissenschaftlichen Studie und der VDI 4640 Blatt 2. Alle Ergebnisse finden Sie auf der Seite Validierung der Geothermie-Sondenberechnung in nPro.
Quellen
- Koenigsdorff et al.: GEO-HANDlight (Version 5.0) und Benutzeranleitung, 2022: https://innosued.de/energie/geothermie-software-2/
- Koenigsdorff et al.: “Oberflächennahe Geothermie für Gebäude: Grundlagen und Anwendungen zukunftsfähiger Heizung und Kühlung”. Fraunhofer IRB Verlag, 2011. ISBN-13: 978-3816782711.
- VDI-Richtlinie 4640 Blatt 1 und 2.
- Code-Repository pygfunction von Massimo Cimmino
- Auswertung zu Bohrlochwiderständen von www.geoenergie-konzept.de
- Koenigsdorff et al.: “GEO-HANDlight - Handrechenverfahren zur überschlägigen Bemessung von Erdwärmesondenfeldern”. In: 7. Internationales Anwenderforum Oberflächennahe Geothermie, 25./26. April 2007, Freising. Regensburg: OTTI, 2007, S. 97-101.
- Koenigsdorff et al.: “Erweiterung des Handrechenverfahrens GEO-HANDlight zur überschlägigen Bemessung von Erdwärmesondenfeldern auf die kombinierte Heizung und Kühlung”. In: Der Geothermiekongress 2007, Bochum, 29.-31. Oktober 2007, 2007, S. 82-84.