XWärmeplan ist ein Datenstandard, mit dem die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung maschinenlesbar und georeferenziert ausgetauscht werden sollen. Auf dieser Seite erfahren Sie, was der Standard beinhaltet, wie er mit XPlanung und dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) zusammenhängt und welchen Stand er aktuell hat.
Warum ein Datenstandard für Wärmepläne?
Mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) sind Städte und Gemeinden verpflichtet, Wärmepläne aufzustellen. In der Praxis entstehen diese Pläne bislang überwiegend als PDF-Bericht mit Kartenanhang. Die zugrunde liegenden Geodaten liegen in ganz unterschiedlichen Formaten und Strukturen vor, je nachdem, welches Planungsbüro beauftragt wurde und welche Software zum Einsatz kam.
Daraus ergeben sich drei praktische Probleme:
- Fortschreibung: Wärmepläne müssen regelmäßig aktualisiert werden. Ohne strukturierte Daten ist eine Fortschreibung faktisch an das ursprüngliche Planungsbüro gebunden.
- Nachnutzung: Andere Fachplanungen, etwa die Bauleitplanung nach BauGB, können die Ergebnisse nicht ohne Weiteres übernehmen.
- Vergleichbarkeit: Wärmepläne unterschiedlicher Kommunen lassen sich nicht aggregieren oder überregional auswerten.
Ein einheitliches, maschinenlesbares Datenformat adressiert genau diese Punkte. Für die Bauleitplanung existiert ein solches Format mit XPlanung bereits seit Jahren. XWärmeplan überträgt dieses Prinzip auf die Wärmeplanung.
Was ist XWärmeplan?
XWärmeplan ist ein Fachschema, das von der XLeitstelle Planen und Bauen erarbeitet wurde und auf dem etablierten Standard XPlanung aufsetzt. Es beschreibt, wie die Ergebnisdaten einer kommunalen Wärmeplanung strukturiert, georeferenziert und maschinenlesbar abgebildet werden.
Technisch ist XPlanung ein offenes, XML-basiertes Austauschformat auf Basis der Geography Markup Language (GML). Ein Wärmeplan nach XWärmeplan wird damit als XPlanGML-Datei ausgetauscht, so wie ein Bebauungsplan auch.
Das Datenmodell ist objektorientiert aufgebaut. Die zentrale Klasse WP_Plan modelliert einen Wärmeplan gemäß § 23 WPG und umfasst unter anderem die kartografische Darstellung der Bestands- und Potenzialanalyse, die Einteilung in Wärmeversorgungsgebiete, die Indikatoren des Zielszenarios, die Wärmeversorgungsarten für das Zieljahr sowie die Maßnahmen der Umsetzungsstrategie. Darunter liegen fachliche Objektarten, beispielsweise WP_WaermeverbrauchLinie für die straßenabschnittsbezogene Wärmeliniendichte. Textliche und grafische Erläuterungen können als externe Referenzen beigefügt werden.
Begriffe im Überblick
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| XPlanung | Datenstandard für den verlustfreien Austausch von Planungsdaten in Raumordnung, Bauleitplanung und Landschaftsplanung. Seit dem IT-Planungsratsbeschluss 2021/40 in der Bauleitplanung verbindlich. |
| XPlanGML | Das konkrete XML-/GML-Dateiformat, in dem XPlanung-Daten ausgetauscht werden. |
| XWärmeplan | Fachschema innerhalb von XPlanung für die Ergebnisdaten der kommunalen Wärmeplanung. |
| XLeitstelle Planen und Bauen | Zentrale Geschäfts- und Koordinierungsstelle für die Standards XPlanung und XBau. Verantwortlich für Pflege, Releases und Weiterentwicklung. |
| WPG | Wärmeplanungsgesetz. Regelt Pflicht, Inhalt und Verfahren der kommunalen Wärmeplanung. |
| Datenraum Wärmeplanung | Vorgesehene Infrastruktur, an die Kommunen die Ergebnisse ihrer Wärmeplanung übermitteln. |
Austauschformate und Werkzeuge
Die Spezifikation von XWärmeplan wird modellgetrieben aus einem konzeptionellen UML-Modell erzeugt. Daraus entstehen nicht nur das XML Schema und der Objektartenkatalog, sondern auch weitere Repräsentationen desselben Datenmodells. Für die Praxis bedeutet das vor allem: XPlanGML ist nicht das einzige Austauschformat. Neben der klassischen GML-Kodierung wird auch eine JSON-FG-Repräsentation bereitgestellt, ein OGC-Format für Features und Geometrien, das die Einschränkungen von GeoJSON hinsichtlich Koordinatensystemen und Objekttypisierung vermeidet.
Erste Werkzeuge stehen bereits zur Verfügung, in der Regel als Open Source:
- XPlan-Tools, eine Python-Bibliothek, die XPlanung-, XTrasse- und XWärmeplan-Daten zwischen GML, JSON-FG und Datenbank-Kodierungen konvertiert, validiert und migriert. Unterstützt werden PostgreSQL/PostGIS, GeoPackage und SpatiaLite.
- Das XMAS-Plugin für QGIS, mit dem Pläne neu erstellt, bestehende GML-Dateien importiert und bearbeitet sowie als GML oder JSON-FG exportiert werden können. Es setzt auf XPlan-Tools und eine Postgres-Datenbank auf.
- ldproxy, ein Server, über den die Daten als OGC API Features veröffentlicht werden können. Damit lassen sich Wärmeplandaten als Geodienst einbinden, statt sie als Datei weiterzugeben.
Aktueller Stand
Der Objektartenkatalog zum Fachschema Wärmeplan ist auf den Seiten der XLeitstelle veröffentlicht und einsehbar. Eine Verpflichtung zur Nutzung besteht derzeit jedoch nicht. Der Vorschlag der XLeitstelle wird in Arbeitsgruppen des IT-Planungsrats beraten; die organisatorische Verantwortung für XWärmeplan liegt weiterhin bei der XLeitstelle und soll von dort dem IT-Planungsrat vorgelegt werden.
Im parlamentarischen Verfahren zur WPG-Novelle wird der Standard bereits aufgegriffen. Vorgesehen ist, dass die Daten in einem für den Datenraum vorgegebenen Datenformat zu übermitteln sind und über das zu verwendende Format auf der Internetseite des Datenraums informiert wird. Die konkrete Verbindlichkeit ergibt sich damit voraussichtlich nicht unmittelbar aus dem Gesetz, sondern aus den Vorgaben des Datenraums.
Was bedeutet das für Planungsbüros und Kommunen?
Für Kommunen ist vor allem die Ausschreibung relevant. Wer die Lieferung der Ergebnisdaten im XWärmeplan-Schema schon heute im Leistungsverzeichnis fordert, macht sich unabhängiger vom beauftragten Büro und erleichtert die spätere Fortschreibung sowie die Übermittlung an den Datenraum.
Für Planungsbüros stellt sich die Frage nach der Werkzeugkette. Ergebnisse, die ohnehin als Geodaten vorliegen, etwa Wärmeversorgungsgebiete, Wärmeliniendichten oder Potenzialflächen, lassen sich mit vertretbarem Aufwand in das Schema überführen. Welche Gebäudedaten für die Wärmeplanung überhaupt zur Verfügung stehen und welche Werkzeuge für die kommunale Wärmeplanung eingesetzt werden, haben wir an anderer Stelle beschrieben. Auch eine teilvektorielle Erfassung bestehender, nicht vollständig digitalisierter Wärmepläne ist möglich, sodass eine strukturierte Datenbasis schrittweise aufgebaut werden kann.
XWärmeplan und die weitere Planung mit nPro
Die kommunale Wärmeplanung liefert die strategische Ebene: Wo ist ein Wärmenetz grundsätzlich sinnvoll, wo eher eine dezentrale Versorgung? Die konkrete Auslegung eines Netzes folgt erst danach. Genau an dieser Stelle setzt nPro an, mit der Dimensionierung von Wärmenetzen, der Auslegung der Energiezentrale und der wirtschaftlichen Bewertung von Versorgungsvarianten.
Die Daten eines Wärmeplans sind dafür eine gute Ausgangsbasis. Abgegrenzte Wärmeversorgungsgebiete definieren das Betrachtungsgebiet, gebäude- oder straßenabschnittsbezogene Wärmebedarfe liefern erste Anhaltspunkte für Lastprofile, und ausgewiesene Potenzialflächen geben Hinweise auf mögliche Erzeugerstandorte. Je strukturierter diese Daten vorliegen, desto direkter lassen sie sich in eine detaillierte Netzplanung überführen.
Schon heute können Sie eigene Geodaten in nPro einlesen und weiterverarbeiten. Wie das funktioniert, beschreiben die Seiten GIS-Daten hochladen und GIS-Exporte.
Liegt noch kein Wärmeplan vor oder sind dessen Daten nicht gebäudescharf, lassen sich die Grundlagen direkt über nPro beziehen. Der Gebäudeatlas stellt gebäudescharfe Gebäudedaten für ganz Deutschland bereit, aus denen sich Wärmebedarfe und Lastprofile für ein Quartier ableiten lassen. Das Modul Potenzialanalyse unterstützt die Ermittlung lokaler Erzeugungspotenziale, wie sie beispielsweise für Machbarkeitsstudien im Rahmen der BEW-Förderung benötigt werden.
Wenn Sie Ergebnisse einer kommunalen Wärmeplanung als Grundlage für eine Netzplanung in nPro nutzen möchten, sprechen Sie uns gerne an.
Weiterführende Informationen
Externe Quellen
- XPlanung bei der XLeitstelle Planen und Bauen mit Spezifikationen und Releases
- Objektartenkatalog Fachschema Wärmeplan
- FAQ zum Wärmeplanungsgesetz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
- FAQ des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW), unter anderem mit Musterleistungsverzeichnissen für die Ausschreibung
- XPlan-Tools, Python-Bibliothek für die Konvertierung und Validierung von XWärmeplan-Daten
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