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Validierung des nPro-Gebäudeatlas™

Wie belastbar sind automatisch bereitgestellte Gebäudedaten? Um diese Frage zu beantworten, haben wir den nPro-Gebäudeatlas in sieben Untersuchungsgebieten – von der dicht bebauten Innenstadt bis zur ländlichen Streusiedlung – mit einem unabhängigen amtlichen Referenzdatensatz verglichen.

Warum wir validieren

Der nPro-Gebäudeatlas führt amtliche 3D-Gebäudemodelle, Zensusdaten, OpenStreetMap und regionale Wärmekataster zu einer einheitlichen Datengrundlage zusammen. Damit lassen sich Quartiere in wenigen Minuten statt in mehreren Tagen aufbauen. Diese Geschwindigkeit ist jedoch nur dann ein Gewinn, wenn die Ergebnisse belastbar sind. Deshalb prüfen wir die bereitgestellten Daten systematisch gegen unabhängige Referenzdaten – und legen die Ergebnisse offen, inklusive der Abweichungen. Ziel ist eine realistische Einschätzung darüber, für welche Aufgaben die Daten geeignet sind und wo eine gebäudescharfe Prüfung notwendig bleibt.

Referenzdatensatz und Vorgehen

Als Referenz dient das Wärmebedarfsmodell Nordrhein-Westfalen des LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW). Es wurde für die kommunale Wärmeplanung in NRW entwickelt, ist gebäudescharf aufgelöst und basiert auf amtlichen Liegenschafts-, Gebäude- und Statistikdaten. Damit ist es einer der detailliertesten öffentlich verfügbaren Datensätze zum Gebäudewärmebedarf in Deutschland.

Für die Validierung wurden die Gebäudedaten des nPro-Gebäudeatlas ohne Verwendung der LANUV-Daten abgeleitet, sodass Referenz und Prüfdatensatz voneinander unabhängig sind. Verglichen wurden anschließend:

  • der Gesamtwärmebedarf des Gebiets (Raumwärme und Trinkwarmwasser),
  • die Nutzfläche als zentrale Eingangsgröße der Bedarfsberechnung,
  • die Verteilung von Baualtersklassen und Gebäudehöhen,
  • der spezifische Wärmebedarf als Verteilung über alle Gebäude,
  • der gebäudescharfe Wärmebedarf im direkten Paarvergleich.

Untersuchungsgebiete

Damit die Ergebnisse nicht von einer einzelnen Bebauungsstruktur abhängen, wurden bewusst sehr unterschiedliche Gebiete ausgewählt: Innenstadtlagen mit Blockrandbebauung und Nichtwohngebäuden, suburbane Wohngebiete mit gemischtem Baualter sowie ländliche Ortslagen mit überwiegend Einfamilienhausbebauung.

Tabelle 1: Übersicht der Untersuchungsgebiete
GebietGebietstypBebauungsstrukturNutzfläche (LANUV)
Köln, Innenstadturbandichte Blockrandbebauung, hoher Anteil Nichtwohngebäude42.600 m²
Dortmund, InnenstadturbanGeschosswohnungsbau der Nachkriegsjahre, Mischnutzung562.100 m²
Köln-RodenkirchensuburbanWohngebiet mit Mehr- und Einfamilienhäusern160.900 m²
Bonn, Randlagesuburbanaufgelockerte Wohnbebauung, gemischtes Baualter157.100 m²
Düsseldorf, RandlagesuburbanReihen- und Mehrfamilienhäuser276.200 m²
RheinbachruralOrtslage mit Einfamilienhäusern, großflächiges Gebiet136.600 m²
Thier (Wipperfürth)ruralländliche Streusiedlung, überwiegend Altbestand36.100 m²

Ergebnisse im Überblick

Für die Wärmenetzplanung ist zunächst entscheidend, ob der Gesamtwärmebedarf eines Gebiets zutreffend abgebildet wird, denn er bestimmt Netzdimensionierung, Erzeugerleistung und Wirtschaftlichkeit. Tabelle 2 fasst diesen Vergleich für alle sieben Gebiete zusammen.

Tabelle 2: Gesamtwärmebedarf (Raumwärme und Trinkwarmwasser) im Vergleich
GebietGebietstypnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Köln, Innenstadturban4,77 GWh4,66 GWh+2,5 %
Dortmund, Innenstadturban71,67 GWh71,91 GWh−0,3 %
Köln-Rodenkirchensuburban21,61 GWh24,81 GWh−12,9 %
Bonn, Randlagesuburban22,13 GWh21,94 GWh+0,8 %
Düsseldorf, Randlagesuburban30,59 GWh30,13 GWh+1,5 %
Rheinbachrural23,69 GWh22,34 GWh+6,1 %
Thier (Wipperfürth)rural6,02 GWh5,34 GWh+12,7 %
Alle Gebiete180,48 GWh181,13 GWh−0,4 %

In sieben untersuchten Gebieten weicht der mit dem nPro-Gebäudeatlas ermittelte Gesamtwärmebedarf in Summe nur 0,4 % von der LANUV-Referenz ab. Auch auf Gebietsebene ist die Übereinstimmung hoch: Die mittlere absolute Abweichung liegt bei 5,3 %, in fünf von sieben Gebieten unter 7 %.

Urbane Gebiete

Köln, Innenstadt

Dichte Blockrandbebauung mit hohem Anteil an Nichtwohngebäuden – der anspruchsvollste Fall, da sich Nutzungen innerhalb eines Gebäudes mischen und Nutzflächen schwer aus der Geometrie abzuleiten sind. Der deutlich niedrigere Flächenansatz wird durch einen höheren spezifischen Bedarf ausgeglichen, sodass der Gesamtwärmebedarf nur um 2,5 % abweicht.

Tabelle 3: Kennzahlen für Köln, Innenstadt
KennzahlnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Raumwärmebedarf4,34 GWh4,14 GWh+4,8 %
Trinkwarmwasserbedarf0,43 GWh0,51 GWh−15,7 %
Gesamtwärmebedarf4,77 GWh4,66 GWh+2,5 %
Nutzfläche31.500 m²42.600 m²−26,1 %

Dortmund, Innenstadt

Überwiegend Geschosswohnungsbau der Nachkriegsjahre mit gewerblicher Erdgeschossnutzung. Der Gesamtwärmebedarf weicht um lediglich 0,3 % von der Referenz ab, obwohl die Nutzfläche im Gebäudeatlas um 11,1 % höher liegt – ein Beispiel dafür, wie sich Unterschiede in Flächenansatz und spezifischem Bedarf gegenseitig kompensieren.

Tabelle 4: Kennzahlen für Dortmund, Innenstadt
KennzahlnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Raumwärmebedarf65,73 GWh65,88 GWh−0,2 %
Trinkwarmwasserbedarf5,94 GWh6,03 GWh−1,5 %
Gesamtwärmebedarf71,67 GWh71,91 GWh−0,3 %
Nutzfläche624.200 m²562.100 m²+11,1 %
Validierung des nPro-Gebäudeatlas für die Dortmunder Innenstadt
Abbildung 1: Vergleich von Gebäudedaten und Wärmebedarf für die Dortmunder Innenstadt

Suburbane Gebiete

Köln-Rodenkirchen

Gewachsenes Wohnquartier mit Mehr- und Einfamilienhäusern unterschiedlicher Baualtersklassen – eine für Wärmenetzuntersuchungen typische Konstellation.

Tabelle 5: Kennzahlen für Köln-Rodenkirchen
KennzahlnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Raumwärmebedarf19,85 GWh23,01 GWh−13,7 %
Trinkwarmwasserbedarf1,76 GWh1,80 GWh−2,2 %
Gesamtwärmebedarf21,61 GWh24,81 GWh−12,9 %
Nutzfläche143.200 m²160.900 m²−11,0 %
Validierung des nPro-Gebäudeatlas für Köln-Rodenkirchen
Abbildung 2: Vergleich von Gebäudedaten und Wärmebedarf für Köln-Rodenkirchen

Bonn, Randlage

Aufgelockerte Wohnbebauung am Stadtrand mit gemischtem Baualter und überwiegend Einzelgebäuden.

Tabelle 6: Kennzahlen für das suburbane Gebiet bei Bonn
KennzahlnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Raumwärmebedarf20,05 GWh20,23 GWh−0,9 %
Trinkwarmwasserbedarf2,07 GWh1,71 GWh+21,1 %
Gesamtwärmebedarf22,13 GWh21,94 GWh+0,8 %
Nutzfläche139.200 m²157.100 m²−11,4 %
Validierung des nPro-Gebäudeatlas für ein suburbanes Gebiet bei Bonn
Abbildung 3: Vergleich von Gebäudedaten und Wärmebedarf für ein suburbanes Gebiet bei Bonn

Düsseldorf, Randlage

Suburbanes Wohngebiet mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern.

Tabelle 7: Kennzahlen für das suburbane Gebiet in Düsseldorf
KennzahlnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Raumwärmebedarf27,28 GWh26,93 GWh+1,3 %
Trinkwarmwasserbedarf3,31 GWh3,21 GWh+3,1 %
Gesamtwärmebedarf30,59 GWh30,13 GWh+1,5 %
Nutzfläche289.100 m²276.200 m²+4,7 %
Validierung des nPro-Gebäudeatlas für ein suburbanes Gebiet in Düsseldorf
Abbildung 4: Vergleich von Gebäudedaten und Wärmebedarf für ein suburbanes Gebiet in Düsseldorf

Ländliche Gebiete

Rheinbach

Großflächiges Untersuchungsgebiet mit überwiegender Einfamilienhausbebauung – relevant für die Frage, ob Wärmenetze außerhalb dichter Siedlungsstrukturen tragfähig sind.

Tabelle 8: Kennzahlen für Rheinbach
KennzahlnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Raumwärmebedarf21,55 GWh20,76 GWh+3,8 %
Trinkwarmwasserbedarf2,14 GWh1,57 GWh+36,3 %
Gesamtwärmebedarf23,69 GWh22,34 GWh+6,1 %
Nutzfläche174.700 m²136.600 m²+27,8 %
Validierung des nPro-Gebäudeatlas für Rheinbach
Abbildung 5: Vergleich von Gebäudedaten und Wärmebedarf für Rheinbach

Thier (Wipperfürth)

Ländliche Ortslage mit hohem Anteil an Altbestand und heterogener Bebauung – der kleinste Untersuchungsraum und damit auch der Fall mit dem größten statistischen Einfluss einzelner Gebäude.

Tabelle 9: Kennzahlen für Thier (Wipperfürth)
KennzahlnPro-GebäudeatlasLANUV-ReferenzAbweichung
Raumwärmebedarf5,48 GWh4,93 GWh+11,2 %
Trinkwarmwasserbedarf0,54 GWh0,41 GWh+31,7 %
Gesamtwärmebedarf6,02 GWh5,34 GWh+12,7 %
Nutzfläche44.400 m²36.100 m²+22,9 %
Validierung des nPro-Gebäudeatlas für Thier in Wipperfürth
Abbildung 6: Vergleich von Gebäudedaten und Wärmebedarf für Thier (Wipperfürth)

Woher die Abweichungen kommen

Die beobachteten Unterschiede sind nicht zufällig, sondern lassen sich auf wenige systematische Ursachen zurückführen. Diese Transparenz ist Teil des Ergebnisses – sie zeigt, welche Größen im Projekt besonders lohnend zu prüfen sind.

Tabelle 10: Wesentliche Ursachen von Abweichungen
UrsacheWirkung
Abgrenzung der NutzflächeUnterschiedliche Annahmen zu beheizten Flächen, Dachgeschossen und Kellern führen zu systematischen Verschiebungen der Flächensumme
Ableitung der GeschossanzahlWird die Geschossanzahl aus der Gebäudehöhe abgeleitet, entstehen Sprünge bei ungewöhnlichen Geschosshöhen und bei Gebäuden mit geneigten Dächern
Zuordnung der BaualtersklasseDas Baujahr bestimmt den energetischen Standard; unterschiedliche Klassenzuordnungen wirken direkt auf den spezifischen Raumwärmebedarf
Gebäudetyp und NutzungNichtwohngebäude und gemischt genutzte Gebäude sind schwerer zu klassifizieren als reine Wohngebäude – daher die größeren Streuungen in Innenstadtlagen
Geometrie und GebäudeabgrenzungNebengebäude, Garagen und zusammengefasste Baukörper werden in den Quellen unterschiedlich abgegrenzt, was einzelne Gebäudepaare stark beeinflusst
DatenstandNeubau, Abriss und Sanierungen sind in den Quellen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfasst

Grenzen dieser Validierung

  • Der Vergleich erfolgt gegen ein Modell, nicht gegen gemessene Verbräuche. Beide Datensätze können in dieselbe Richtung abweichen.
  • Verglichen werden Jahresbedarfe. Lastspitzen, Gleichzeitigkeiten und Lastprofile werden in nPro separat modelliert und sind nicht Gegenstand dieser Auswertung.
  • Der Referenzdatensatz liegt nur für Nordrhein-Westfalen vor. Für andere Bundesländer mit abweichender Datenlage lassen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar übertragen.
  • Sieben Untersuchungsgebiete sind keine repräsentative Stichprobe. Sie decken ein breites Spektrum an Siedlungsstrukturen ab, erlauben aber keine statistisch abgesicherte Aussage über alle Gebietstypen.

Was das für Ihr Projekt bedeutet

Die Validierung zeigt, wofür sich die Daten des nPro-Gebäudeatlas eignen – und wofür ergänzende Erhebungen sinnvoll bleiben:

  • Belastbare Gebietsbilanzen ohne eigene Datenrecherche: Wärmebedarfe auf Quartiers- und Gebietsebene stimmen gut mit dem amtlichen Referenzmodell überein.
  • Schnelle Vorprüfung von Wärmenetzgebieten: Machbarkeit, Wärmedichte und Anschlusspotenzial lassen sich beurteilen, bevor Aufwand in eine detaillierte Erhebung fließt.
  • Konsistente Datengrundlage über Gebietstypen hinweg: urbane, suburbane und ländliche Gebiete werden mit derselben Methodik abgebildet und bleiben damit vergleichbar.
  • Nachvollziehbare Datenherkunft: Quellen, Lizenzen und Ableitungswege sind dokumentiert und in Berichten zitierbar.
  • Volle Kontrolle über die Werte: alle Gebäudedaten sind in nPro einsehbar und können vor der Berechnung angepasst oder durch Verbrauchsdaten ersetzt werden.