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Druckberechnung in Wärmenetzen

Im nPro-Tool werden die absoluten Drücke im Vor- und Rücklauf eines Wärmenetzes auf Basis der Rohrleitungsverluste, geodätischen Höhenunterschiede und Druckverluste an Übergabestationen und Einbauten berechnet. Die Berechnung stellt sicher, dass im gesamten Netz ausreichend Druck vorhanden ist, um Kavitation zu vermeiden und die hydraulischen Randbedingungen einzuhalten.

Berechnungsprinzip

Die Druckberechnung erfolgt auf Basis der Druckverluste in den Rohrleitungen sowie der geodätischen Höhenunterschiede im Netz. Ausgangspunkt der Berechnung ist der Mindestdruck an der Energiezentrale, der vom Nutzer als Randbedingung in den Hydraulik-Einstellungen vorgegeben wird. Zunächst werden bei der Netzauslegung die Druckverluste entlang der Rohrleitungen bestimmt (Pa/m). Anschließend wird ein lineares Gleichungssystem aufgestellt, um die Knotendrücke im gesamten Netz zu berechnen.

Berechnung der Knotendrücke

Für jede Rohrleitung wird eine Gleichung aufgestellt, welche den Druckunterschied zwischen den verbundenen Knoten beschreibt. Das resultierende Gleichungssystem wird anschließend numerisch gelöst.

Berücksichtigte Druckanteile bei der Netzsimulation

Rohrleitungsdruckverluste

Die Druckverluste (in Pa) in den Rohrleitungen werden aus denen Rahmen der Auslegungsrechnung berechneten hydraulischen Verlusten übernommen.

Geodätische Druckunterschiede

Höhenunterschiede im Netz führen zu statischen Druckänderungen. Diese werden über die hydrostatische Gleichung berechnet:

$$\Delta p = \rho \cdot g \cdot \Delta h$$

Dabei ist \( \rho \) die Dichte des Fluids, \( g \) die Erdbeschleunigung und \( \Delta h \) der Höhenunterschied zwischen zwei Punkten im Netz. Die Druckdifferenz zwischen zwei Punkten kann entsprechend geschrieben werden als:

$$p_2 = p_1 + \rho \cdot g \cdot (h_1 - h_2)$$

Vernachlässigung des dynamischen Drucks

Bei der Druckberechnung wird der dynamische Druckanteil vernachlässigt, da in Wärmenetzen der dynamische Druckanteil im Vergleich zu statischen Druckunterschieden durch Höhenunterschiede sowie Rohrreibungsverluste in der Regel sehr klein ist. Der dynamische Druck entsteht durch die Strömungsgeschwindigkeit des Fluids und ergibt sich allgemein aus:

$$p_\text{dyn} = \frac{1}{2} \cdot \rho \cdot v^2$$

Im nPro-Tool werden die Höheninformationen automatisch aus digitalen Geländedaten berechnet.

Mindestdruck und Sicherheitsreserven

Für einen sicheren Betrieb des Wärmenetzes muss der Druck im gesamten Netz oberhalb des Dampfdrucks des Wärmeträgermediums liegen. Wird der Dampfdruck lokal unterschritten, kann es zur Bildung von Dampfblasen (Kavitation) kommen, was zu instabilem Betrieb sowie zu Schäden an Anlagenkomponenten führen kann. Besonders kritisch sind hohe Punkte im Netz, da dort der statische Druck aufgrund der geodätischen Höhenunterschiede am geringsten ist. Daher wird überprüft, ob der minimale Druck im Netz eine definierte Sicherheitsgrenze überschreitet. Die minimale Druckanforderung ergibt sich aus dem Dampfdruck des Wärmeträgermediums bei der maximalen Netztemperatur sowie zusätzlichen Sicherheitsreserven:

$$p_\text{min} = \frac{p_\text{vapor}(T_\text{max})}{10^5} + \Delta p_\text{hp} + \Delta p_\text{gen}$$

Dabei bezeichnet \(p_\text{vapor}(T_\text{max})\) den Dampfdruck des Wärmeträgermediums bei der maximalen Netztemperatur \(T_\text{max}\). Es werden folgende Sicherheitsreserven berücksichtigt:

  • \(\Delta p_\text{hp} = 0.5\) bar: Sicherheitsreserve am höchsten Netzpunkt zur Vermeidung von Kavitation
  • \(\Delta p_\text{gen} = 1.0\) bar: allgemeine Sicherheitsreserve zur Berücksichtigung von Betriebs- und Modellunsicherheiten

Berechnung des Dampfdrucks (Antoine-Gleichung)

Der Dampfdruck des Wärmeträgermediums wird in Abhängigkeit der Temperatur mithilfe der Antoine-Gleichung berechnet. Diese beschreibt den Zusammenhang zwischen Temperatur und Sättigungsdampfdruck eines Stoffes und wird häufig zur Bestimmung des Dampfdrucks von Wasser verwendet.

$$\log_{10}(p_\text{mmHg}) = A - \frac{B}{C + T}$$

Dabei ist \(T\) die Temperatur in °C und \(A\), \(B\) sowie \(C\) sind stoffspezifische Antoine-Koeffizienten. Die Gleichung liefert den Dampfdruck zunächst in mmHg. Anschließend erfolgt eine Umrechnung in Pascal:

$$p_\text{vapor} = p_\text{mmHg} \cdot 133.322$$

Für Wasser werden die folgenden Koeffizientenbereiche verwendet:

Tabelle 1: Antoine-Koeffizienten für Wasser
Temperaturbereich A B C
1 – 100 °C 8.07131 1730.63 233.426
100 – 374 °C 8.14019 1810.94 244.485

Datenquelle für Höheninformationen

Die geodätischen Höhen der Netzkomponenten werden automatisch aus digitalen Geländemodellen (Digital Elevation Models, DEM) abgeleitet. Als Datengrundlage werden Copernicus DEM-90-Höhendaten verwendet, die eine nahezu globale Abdeckung mit einer räumlichen Auflösung von etwa 90 m bieten. Diese Datensätze ermöglichen eine konsistente und automatisierte Bestimmung der Geländetopographie im gesamten Netzgebiet. Die Daten werden bei der Berechnung für Rohre mit einer noch nicht definierten geodätischen Höhe bzw. einer Höhe von 0 m automatisch angereichert.

Tabelle 2: Abgedeckte Regionen der Geländedaten (Copernicus DEM-90)
Region Breitengrad (°N) Längengrad (°E) Auflösung
Mitteleuropa 43.0 – 58.0 −9.4 – 25.0 90 m
Skandinavien 53.4 – 71.6 4.0 – 42.1 90 m

Weitere Regionen werden künftig ergänzt und können bei Bedarf auch auf Anfrage in die Geländedatenbasis integriert werden. Für derzeit nicht abgedeckte Regionen wird in der Druckberechnung eine Geländehöhe von 0 m angenommen.

Berechnung und Visualisierung der Druckverläufe in nPro

Hydraulik-Einstellungen

In den Hydraulik-Einstellungen lassen sich die hydraulischen Rahmenbedingungen des Wärmenetzes projektspezifisch anpassen. Es kann zwischen einer zentralen Umwälzpumpe und dezentralen Pumpen an den Hausanschlussstationen (kalte Nahwärme) gewählt werden. Der Sollwert der Druckhaltung, bezogen auf den Rücklauf an der Energiezentrale, kann individuell festgelegt werden. Zusätzlich lassen sich die Druckverluste von Rohreinbauten, Wärmeübergabestationen und Energiezentrale separat konfigurieren, um die hydraulischen Verhältnisse des Netzes möglichst realitätsnah abzubilden.

Hydraulik-Einstellungen für ein Wärmenetz mit Optionen für Pumpenkonzept, Druckhaltung und Druckverlusten
Abbildung 1: Hydraulik-Einstellungen für ein Wärmenetz mit Optionen für Pumpenkonzept, Druckhaltung und Druckverlusten in der nPro-Benutzeroberfläche

Visualisierung der geodätischen Höhen

Der Höhenverlauf der Rohrleitungen des Wärmenetzes kann in der Netzvisualisierung dargestellt werden.

Kartenansicht des Wärmenetzes in nPro mit farblich dargestelltem Höhenverlauf der Rohrleitungen
Abbildung 2: Visualisierung der geodätischen Höhen der Rohrleitungen in nPro

Visualisierung der Druckverläufe

Zur Analyse der hydraulischen Verhältnisse werden die Druckverläufe entlang des hydraulisch ungünstigsten Pfades im Netz dargestellt (Rohrleitungen von der Energiezentrale bis zum Netzschlechtpunkt). Dabei werden sowohl die Drücke ohne Berücksichtigung geodätischer Höhenunterschiede als auch die Gesamtdrücke unter Einbeziehung der Topografie angezeigt.

Diagramm des geodätischen Höhenverlaufs der Rohrleitungen von der Energiezentrale zum Netzschlechtpunkt
Abbildung 3: Darstellung des Höhenverlaufs der Rohrleitungen zum Netzschlechtpunkt
Diagramm des Druckverlaufs von der Energiezentrale zum Netzschlechtpunkt ohne geodätische Höhenunterschiede
Abbildung 4: Druckverlauf zum Netzschlechtpunkt ohne Einfluss der geodätischen Höhenunterschiede
Diagramm des Druckverlaufs von der Energiezentrale zum Netzschlechtpunkt mit geodätischen Höhenunterschieden
Abbildung 5: Druckverlauf zum Netzschlechtpunkt unter Berücksichtigung der geodätischen Höhenunterschiede

Darüber hinaus können die absoluten Drücke der Rohrleitungen in der Karte visualisiert werden, um die Druckverläufe im gesamten Netz zu analysieren.

Kartenansicht des Wärmenetzes mit Drücken im Vorlauf der Rohrleitungen
Abbildung 6: Visualisierung der Gesamtdrücke der Rohrleitungen im Netz in nPro

Quellen

  1. Verenum: Planungshandbuch Fernwärme

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